CDU Stadtverband ERKNER
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Presse
06.07.2011, 16:27 Uhr | MOZ/Mathias Hausding Übersicht | Drucken
Geteiltes Echo auf neue Flugrouten

Schönefeld (moz) Die neuen Flugrouten-Vorschläge der Deutschen Flugsicherung (DFS) für den künftigen Großflughafen Schönefeld sind am Montag auf ein geteiltes Echo gestoßen. Während sich Vertreter einiger Kommunen zufrieden mit dem Kompromiss zeigten, kündigten andere an, dagegen vorgehen zu wollen.

 



Potsdam wird von Lärm verschont, auch der Südwesten Berlins profitiert von den neuen Vorschlägen. Anders sieht es zum Beispiel in Erkner (Oder-Spree) oder Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) aus. Dort ist die zu erwartende Lärmbelastung nach wie vor hoch. Der Vorsitzende der Kleinmachnower Bürgerinitiative gegen Flugrouten, Michael Lippoldt, äußerte sich „entsetzt“ über die geplanten Routen. „Das ist der größte anzunehmende Unfall für die Region“, sagte er. Bei Westabflügen von der Nordbahn würde das Gros der Flugzeuge künftig in Höhe Ludwigsfelde die vorgeschriebenen Routen verlassen und damit Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf in geringer Höhe überfliegen. „Dagegen werden wir kämpfen“, sagte Lippoldt.

Erkner ist doppelt betroffen, da bei Westwind sämtliche landenden Flugzeuge über die Stadt fliegen. Außerdem führt bei Ostwind die Startroute von der Nordbahn über Erkner. Hier hat die DFS gestern einen Kompromiss präsentiert, der jedoch Schöneiche stärker belastet. Nun sollen 122 Flüge am Tag über den Müggelsee und Schöneiche 
(Oder-Spree) geführt werden und weitere 59 über Erkner.

Norbert Kopp (CDU), Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, zeigte sich hingegen zufrieden. „Was wir jetzt haben, ist zu 80 Prozent besser als die alten Pläne.“ Brandenburgs Staatssekretär im Verkehrsministerium, Rainer Bretschneider, sagte, die Arbeit der Fluglärmkommission habe sich gelohnt. Dennoch seien weitere Veränderungen möglich, betonte er. „Jetzt wird vieles noch über das Betriebsregime des Flughafens geregelt“, so Bretschneider

Laut DFS sollen die meisten Abflüge von der südlichen Startbahn gen Osten in eine „scharfe Kurve“ vor Zeuthen münden. Damit die Flugzeuge die vorgegebenen Routen einhalten, ist hier ein Tempolimit von 410 Stundenkilometern vorgegeben. Außerdem haben die Piloten die Auflage, schnell zu steigen. Für sehr große Maschinen sei das allerdings nicht möglich. Daher fliegen den Vorschlägen zufolge elf Maschinen pro Tag über Zeuthen weiter. Eine endgültige Entscheidung über die Routen fällt im Januar 2012 das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung. Der Flughafen soll am 3. Juni 2012 eröffnet werden


„Möglichst wenig Lärm für möglichst wenige Menschen.“ So lautete nach eigenen Angaben die Prämisse der Deutschen Flugsicherung für die Suche nach den besten Flugrouten. Die Stadt Erkner (Oder-Spree) ist indes immer von Lärm bedroht. Bei Ost- und bei Westwind, bei Starts und bei Landungen.

Clemens Wolter ist am Montag mit geringen Erwartungen nach Schönefeld gereist. Der Vertreter der Stadtverwaltung Erkner in der Fluglärmkommission musste bereits bei vergangenen Sitzungen Hiobsbotschaften verkraften. „Die Situation ist für uns ausgesprochen schlecht“, sagt er. Rund 400 Flugzeuge am Tag werden künftig bei Westwind über der Stadt den Landeanflug auf Schönefeld beginnen. „In etwa 1000 Metern Höhe werden sie teilweise direkt über das Ortszentrum fliegen“, erklärt Wolter.

Schuld ist eine Sicherheitsvorschrift. Das Gesetz schreibt vor, dass die Flugzeuge zehn Meilen vor dem Flughafen exakt auf die verlängerte Linie der Landebahnen einschwenken – und dort auch bleiben. „Man kann sicher darüber streiten, ob das sinnvoll ist“, sagt Wolter. Aber zu ändern sei das zunächst nicht.

Hinzu kommt, dass Erkner auch vom Lärm startender Flugzeuge betroffen sein wird. Maschinen, die bei Ostwind von der nördlichen Bahn gen Osten starten, werden teilweise über die 12 000-Einwohner-Stadt geführt. Hier gab es am Montag jedoch ein Zugeständnis der Deutschen Flugsicherung.

Für viele Beobachter überraschend wird nun eine andere Variante bevorzugt. Maschinen sollen demnach verstärkt über den Müggelsee in Berlin statt über Erkner fliegen. „Das bedeutet eine Entlastung“, ist Clemens Wolter überzeugt. „Nach diesem Plan starten täglich noch 59 Flugzeuge über Erkner, aber 122 über den Müggelsee“, erklärt er.

Erk­ners Vorteil ist aber Schön­eiches Nachteil. Die Müggelsee-Variante bedeutet, dass nun diese Gemeinde stärker überflogen werden wird. „Wir wollten die Doppelbelastung für Erkner verringern“, begründet Hans Niebergall von der Deutschen Flugsicherung die Entscheidung.

Allerdings gibt es noch eine dritte Variante, die vermutlich Erkner und Schöneiche entlasten würde. Diese Route führt über die Gosener Wiesen, also dünn besiedeltes Gebiet. Hier fliegen die Maschinen nach dem Start in Schönefeld zunächst streng geradeaus und machen dann einen leichten Knick nach Süden, bevor sie nach Norden abdrehen, um Berlin zu umfliegen. Auch diese Variante wurde von der DFS geprüft, aber aus Sicherheitsgründen abgelehnt. Die Begründung lautet, dass diese Abflüge mit den startenden Flugzeugen der Südbahn in Konflikte geraten könnten. Allerdings nur mit jenen nach derzeitigem Stand elf Flügen von sehr großen Flugzeugen pro Tag, die über die Stadt Zeuthen führen sollen.

„Ob sich die nun stärker betroffenen Gemeinden damit abfinden werden, dass wegen elf Flugzeugen täglich der Müggelsee überflogen werden muss, bleibt abzuwarten“, so Clemens Wolter. Der Vertreter von Treptow-Köpenick in der Lärmkommission habe zumindest ablehnend auf die vorgestellte Müggelsee-Variante reagiert.

Auch in Zeuthen gibt es Unmut über die elf Flüge, die nicht mit der Hoffmann-Kurve, sondern mit der verhassten 15-Grad-Kurve abgewickelt werden sollen, die bei Parallelstarts vorgeschrieben ist.

Kritiker fordern, diese elf Flüge über die Nordbahn des Flughafens abzuwickeln. Die Vorsitzende der Fluglärmkommission, Kathrin Schneider, kündigt an, hier weiter nach einer Lösung zu suchen.

Wie zu hören war, liegt die Entscheidung über die Verlegung von Flügen auf die Nordbahn aber nicht bei der Deutschen Flugsicherung, sondern beim Airport-Management. Die Lärm-Kommission trifft sich am 26. September zu ihrer nächsten Sitzung, wenige Tage nach dem vom Bundesverwaltungsgericht erwarteten Urteil zum Nachtflugverbot am künftigen Großflughafen.



aktualisiert von Karla Wulff, 06.07.2011, 16:39 Uhr

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